25 Köpfe: Benjamin Dreer hat das Lehrerzimmer gegen die Uni eingetauscht

Benjamin Dreer, 25 Köpfe, 25 Jahre Uni Erfurt,

Ob beim Hochschulinfotag, zum Boys‘ Day oder bei anderen Info-Veranstaltungen: Wenn Benjamin Dreer über den Lehrerberuf spricht, schafft er es schnell, seine Zuhörer in den Bann zu ziehen und für den Beruf zu begeistern. Er selbst war sich damals unschlüssig und hat sich nach dem Abwägen verschiedener Ideen – u.a. eine Pilotenausbildung – für das Lehramtsstudium in Erfurt entschieden. Ein großes Glück für die Universität. Denn er ist seiner Alma Mater über das Studium hinaus treu geblieben und gestaltet mittlerweile als Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Erfurt School of Education die Lehrerbildung und Bildungsforschung an der Uni Erfurt aktiv mit…

„Jeder von uns hatte doch diese eine Lehrerin oder den einen Lehrer, die oder der besonders prägend war und in Erinnerung geblieben ist“, erklärt der 35-Jährige. „Und dieses inspirierende und damit wertvolle Potenzial des Lehrerberufs versuche ich, immer wieder zu betonen. Das ist u.a. auch etwas, was mich an dem Berufsbild so fasziniert.“ Mit dem Ziel, Regelschullehrer zu werden, begann Benjamin Dreer 2004 das Studium der Anglistik und Philosophie an der Uni Erfurt. Warum die Wahl auf das Lehramtsstudium fiel? „Ich wollte gern pädagogisch arbeiten. Und das Lehramt war etwas Greifbares, mit dem ich mich identifizieren konnte.“ Und diesen Schritt sollte er nicht bereuen. Die Inhalte seiner Fächer empfand er als sehr bereichernd und die praktischen Erfahrungen bestätigten ihn in seiner Berufswahl. Es lag ihm einfach, anderen Sachverhalte nahezubringen und er hatte ein Gespür dafür, wie man Dinge gut vermittelt. Auf der anderen Seite fand er auch großen Gefallen am wissenschaftlichen Arbeiten. „Hausarbeiten schreiben, Fragen nachgehen, bestimmte Aspekte vertiefen – das war immer etwas, was mir Spaß gemacht hat.“ So wurde Benjamin Dreer schnell bewusst, dass es „noch mehr“ für ihn zu entdecken gab. Was das genau war, sollte eines der letzten Blockseminare seines Master-Studiums beantworten und somit seinen weiteren Weg ebnen. „Innerhalb dieses Seminars lieferte ich mir mit meiner damaligen Professorin Bärbel Kracke eine spannende Diskussion über Geschlechterstereotype. Dieser Moment war der Beginn einer jahrelangen Zusammenarbeit – in Bärbel Kracke fand ich eine Person, die mich weiterbrachte und mich auf die wissenschaftliche Laufbahn führte“, erinnert er sich. So wurde sie zunächst Betreuerin seiner Master-Arbeit und anschließend seine Doktormutter. Nachdem er 2010 das Studium erfolgreich beendete, gab er bereits 2012 die fertige Dissertation zum Thema „Kompetenzen von Lehrpersonen im Bereich Berufsorientierung“ ab. „Ich glaube, dass ich das einfach so sehr wollte und deswegen relativ schnell fertig war. Zudem hatte ich noch eine halbe Projektstelle, die ich prima mit dem Dissertationsthema verknüpfen konnte.“

Wie es dazu kam, dass Benjamin Dreer Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Erfurt School of Education geworden ist? „Nach einer Zwischenstation an der Uni Jena bekam ich glücklicherweise die Stelle im Praktikumsreferat der Erfurt School of Education. Dort wurde ich sofort gut im Team aufgenommen und konnte schnell eigene Ideen einbringen.“ 2016 kam schließlich die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ der Bundesregierung, was dazu führte, dass die bisherige Geschäftsführerin der ESE, Sigrid Heinecke, eine Vertretung benötigte. „Ich hatte große Lust darauf und meine Kollegen haben mich in dieser Rolle gesehen“, freut er sich nach wie vor sichtlich über seine Stelle, die er seit Kurzem dauerhaft innehat. Dass er selbst Lehramtsstudent an der Uni Erfurt war, kommt ihm dabei zugute. Dreer weiß, was in den Seminaren passiert, kennt die Professoren und zudem das Thüringer Bildungssystem. „Das hilft mir dabei, mich bei Gesprächen mit Studierenden besser in die jeweilige Situation einzufühlen.“ Dass er nicht die „klassische Lehrerlaufbahn“ eingeschlagen hat, hat er dabei nie bereut. Vielmehr betont er, wie wichtig es ist, dass es gut ausgebildete Leute es in Erwägung ziehen, selbst in der Lehrerausbildung, z.B. in den Fachdidaktiken tätig zu werden.

Benjamin Dreer beim Masterinfotag am Beratungsstand der Erfurt School of Education.

Hinzu kommt, dass ihm die Arbeit bis heute großen Spaß macht: „Meine Aufgaben sind unglaublich vielfältig – sie reichen vom administrativen Tagesgeschäft über Info-Veranstaltungen, Beratung der Studierenden, Betreuung von Masterarbeiten bis zur Konzeptarbeit sowie Forschung und Lehre.“ So beschäftigt sich Benjamin Dreer beispielsweise mit dem Thema Lehrergesundheit oder mit der Ausgestaltung von Praxisphasen. „Ich schaue, was Studierende an den Schulen brauchen, um gut auf den Lehrerberuf vorbereitet zu werden.“ Erst vor Kurzem entwickelte er einen Audiopodcast, der Studierenden im Schulpraktikum ermöglichen soll, die universitäre Lernbegleitung auf dem täglichen Weg an die Schule wahrzunehmen. „Die meisten meiner Ideen kommen mir eigentlich beim Joggen“, erklärt er. „Meistens kritzle ich sie dann erstmal auf und bespreche sie mit meiner Partnerin, die Grundschullehrerin ist.“ Dreer lacht: „So unterziehe ich die Ideen meist einem ersten Praxistest.“ Das Beste an der Arbeit? „Ich bin sehr dankbar, dass unser Team aus engagierten und inspirierenden Menschen besteht, mit denen ich täglich zusammenarbeiten darf. Es ist immer wieder schön, wenn wir gemeinsam über neue Ideen sprechen und Konzepte entwickeln. Das ist das, wofür man aufsteht – man leistet einen Beitrag und kann etwas Gutes und Bleibendes schaffen.“ Ein spezieller Moment, der Dreer immer wieder motiviert: „Ich bin derjenige, der den Absolventen bei den Graduierungsfeiern die Rose überreichen darf. Man freut sich mit den Absolventen, wenn man sieht, wie stolz sie auf das Erreichte sind. Bei der Arbeit mit Studierenden, versuche ich immer an diesen Moment zu denken.“

Benjamin Dreers Wünsche zum 25-jährigen Uni-Jubiläum:
Die Universität lebt immer von den Leuten, die momentan da sind, da Wissenschaft auch oft ein Wechselspiel von Personen ist. Ich wünsche der Uni Erfurt, dass es ihr gelingt, das kollegiale Miteinander, das es in vielen Bereichen gibt, beizubehalten und stetig zu erweitern auf eine positive Campusmentalität.